In der Presse erschienen am 01.04.2020 auf Lokalklick.eu

Bei allen Problemen der vergangenen 75 Jahre erleben wir eine neue internationale Gesundheitskrise aufgrund des Corona-Virus, die mehr auf die Probe stellen wird, als nur gutes gesundheitspolitisches Handeln und wissenschaftliche Expertise. Wir, als freiheitliche Gesellschaft des 21. Jahrhunderts, und unser System der sozialen Marktwirtschaft stehen vor einer Bewährungsprobe. 

Seit dem Ende des zweiten Weltkriegs hat Deutschland eine weltweit nahezu einzigartige Entwicklung durchlaufen: Weit verbreiteter Faschismus ist der Idee der Unantastbarkeit der Menschenwürde gewichen und hat ein geeintes friedliches Europa hervorgebracht. Die Versöhnung sozialer Sicherheit mit wirtschaftlicher Freiheit stellte sich als verblüffende Erfolgsformel heraus. Das grausamste Unrechtsregime wurde von der liberalen Demokratie abgelöst. Eben genau dieses freiheitliche und entwickelte Deutschland wird nun auf seine Standfestigkeit geprüft. Die Krise wird unsere unterverhandelbaren Werte auf die Probe stellen!

Unsere Menschlichkeit

Es ist offenkundig, dass besonders ältere oder vorerkrankte Mitmenschen von einem schweren Verlauf des Virus betroffen sind. Solidarisch zu sein und aus Rücksicht auf unsere Mitmenschen Kontakte zu reduzieren und ihnen zu helfen, ist wichtiger denn je. Zu Hause zu bleiben, kann dem Menschen als sozialem Wesen unglaublich schwer fallen, er muss jedoch allein aus solidarischer und mitmenschlicher Verantwortung momentan so handeln. Aktuell sind das Angebot und die Hilfsbereitschaft riesig. Diesen Bestandteil des Tests hätte unser Land zum jetzigen Zeitpunkt also bestanden. Darauf dürfen wir stolz sein und das lässt hoffen. In Zukunft wird hier unsere Ausdauer gefragt sein.

Unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft

Der Entwurf eines Staates, der die Freiheiten seiner Bürger nur unter strengen Vorraussetzungen beschränken darf und bei jeder Einschränkung an den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit gebunden ist, hat sich bewährt. Diese Maxime stärkt Eigenverantwortung, schützt Minderheiten sowie Andersdenkende und verteidigt letztlich die Grundfreiheiten aller Bürgerinnen und Bürger gegenüber dem Staat. Nun sind die deutschen, welche zahlreiche Sozialforscher als pessimistische Gesellschaft beschreien, unmittelbar mit der Angst vor dem Ungewissen – dem Virus – konfrontiert. Ob so eine Gesellschaft in dieser Situation dem Staat einen Freifahrtsschein für alles geben oder sich gar unterwerfen wird? Es ist wichtig, dass wir trotz Krise und Angst weiterhin kritisch bleiben und in der Krise nicht leichtfertig Freiheitseinschränkungen auch über die Krisenzeit hinaus hinnehmen. Wir müssen wachsam bleiben.

Unsere Wirtschaft

Die solideste Säule unserer Wirtschaft sind der Mittelstand und Kleinunternehmen, da eine durch sie geprägte Struktur weniger anfällig ist. Sie versuchen ihre Mitarbeiter durch Krisenzeiten zu bringen, zahlen gerechte Gehälter und sorgen für einen großen Anteil am deutschen Steueraufkommen. Bei einem kompletten „Shut Down“ sind somit viele Existenzen bedroht und eine Belastung der sozialen Systeme ist letztlich unvermeidlich. Es muss mehr geben als nur Geldgeschenke. Liquiditätshilfen sind zwar wichtig, können aber nur eine Übergangslösung sein und dürfen vor allem nicht – wie aktuell – nur einseitig schlecht dastehende oder besonders große Unternehmen bevorteilen. Dabei bleiben zu viele auf der Strecke! Außerdem gilt auch hier: Wenn es keiner bezahlt, bezahlen es am Ende alle! Es wäre der perfekte Zeitpunkt jetzt Steuern und andere Hürden für kleine sowie mittlere Betriebe und Unternehmen zu senken, um ihnen nach der Krise auf die Beine zu helfen. Ea ist Zeit, sogar am besten durch anteilige Steuerrückzahlungen des letzten Jahres das wirtschaftliche Überleben vieler Selbständigen, Unternehmen sowie Betriebe und damit auch letztlich der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu sichern.

Schließlich müssen wir erkennen, dass unsere Art zu leben, wie wir sie kennen, auf eine harte Probe gestellt wird. Möglicherweise ist die Corona-Pandemie bis jetzt die härteste Prüfung für das geeinte Nachkriegsdeutschland. Wir sollten trotz der allgemeinen deutschen Grundskepsis, diese Krise auch als Herausforderung zu sehen. Wir sollten sie als Chance begreifen, zu beweisen, dass die großartigen Ideen, die unsere Gesellschaft einzigartig machen und unser Miteinander leiten, auch in schwierigen Zeiten bestehen können. Machen wir das beste draus! Denn es gibt nur einen Mist, auf dem nichts wächst: den Pessimist. Bleibt gesund!